12 Prinzipien – Aktiv gegen Corona
Dein Immunsystem gegen Corona stärken
Hygienemassnahmen, Social Distancing, die Absage von Veranstaltungen, die Schliessung von Schulen, Grenzsperrungen zwischen Ländern, generelles zu Hause bleiben, all das zielt auf die Verlangsamung der Virusausbreitung ab. Der Schweregrad einer Infektion ist nicht nur davon abhängig, wie leicht der Erreger übertragen wird und wie gefährlich er ist, sondern auch davon, wie gut das Immunsystem funktioniert. Es ist absolut wichtig, dass wir alle diesen offiziellen Empfehlungen Folge leisten. Mit der Stärkung des eigenen Immunsystems durch die Wahl eines bewusst gesunden Lebensstils z.B. nach dem NewstartPlus®-Konzept (12 Prinzipien für ganzheitliche Gesundheit) ist der persönliche Schutz jedoch wesentlich stärker.
So wie die Haut, Muskeln, Knochen und alle anderen Organe unterliegt auch das Immunsystem einem Alterungsprozess. Verschiedene Komponenten des Immunsystems werden dabei beeinträchtigt durch altersabhängige Veränderungen in verschiedenen physiologischen Systemen wie dem endokrinen System (Hormone), dem Nervensystem, dem Herz-Kreislaufapparat, den Gefässen, dem Bewegungs- und dem Verdauungsapparat. Dabei können wechselseitige Wirkungen auftreten: Veränderungen im Immunsystem wirken sich auf die Organsysteme aus und umgekehrt.
Altersabhängige Veränderungen wirken sich auf beide Teile des Immunsystems aus, sowohl der angeborene unspezifische wie auch der erworbene spezifische Teil sind davon betroffen. In der Summe führen diese Veränderungen dazu, dass es im Alter zu vermehrten Infektionen kommt, häufiger Reaktivierungen von latenten Viruserkrankungen auftreten (z.B. Gürtelrose), Impfungen eine schlechtere Immunantwort auslösen und gehäuft Autoimmunerkrankungen (z.B. «Rheuma») und Krebs auftreten.
Im Alter herrscht allgemein ein erhöhter Entzündungszustand, das Verhältnis entzündungsfördernder und entzündungshemmender Botenstoffe ist in Richtung Entzündung verschoben. Die Abwehrzellen sind anders zusammengesetzt und funktionieren weniger gut. Pathogene (z.B. schädliche Stoffe, Viren) können schlechter erkannt werden. Die Abwehrmechanismen fallen schwächer und weniger präzise aus. Das Wandern der Abwehrzellen an den nötigen Einsatzort ist ebenso beeinträchtigt wie auch die Funktion der Fresszellen. Krankheitserreger können nur ungenügend eliminiert und Reparaturvorgänge nicht zu Ende geführt werden. Es bleibt eine chronische Entzündung, welche das Altern beschleunigt und die Sterblichkeit erhöht.
Diese Immunalterung, wie man diesen Prozess auch bezeichnen kann, ist nun nicht nur eine Frage der Zeit (oder des chronologischen Alters), sondern sie wird durch den Lebensstil massiv beeinflusst. Bewegungsmangel, eine verminderte Muskelmasse, ein schlechter Ernährungszustand beschleunigen die Immunalterung während verschiedene Lebensstilfaktoren wie regelmäßige körperliche Aktivität und eine gesunde Ernährung sich positiv auf die Gesundheit und Funktion des Immunsystems auswirken.
Im bisherigen Verlauf der Coronapandemie hat man gesehen, dass nicht alle Infizierten gleich gefährdet sind. Personen ab dem Alter von 65 Jahren gehören, ebenso wie Personen mit Vorerkrankungen, zur Risikogruppe für schwere Verläufe. Als risikovermehrende Vorerkrankungen gelten häufige nichtübertragbare Krankheiten wie Bluthochdruck, chronische Atemwegserkrankungen, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, sowie Erkrankungen und Therapien, die das Immunsystem schwächen. Während jüngere Menschen und Kinder die Krankheit meist mit wenig Symptomen problemlos überstehen, nimmt sie bei Angehörigen dieser Risikogruppen oft einen ernsten, manchmal tödlichen Verlauf.
Dies hängt mit der Funktion des Immunsystems zusammen. Man kann das Vorliegen von Vorerkrankungen als Hinweis für ein beeinträchtigtes Immunsystem verstehen, denn auch bei der Entwicklung der genannten Krankheiten spielt, nebst anderen Faktoren, das Immunsystem (Entzündungsprozesse) mit einer Rolle.
Der wohl wichtigste Risikofaktor für die Alterung des Immunsystems ist das (chronologische) Alter selbst. Dies kann nicht beeinflusst werden. Ihr biologisches Alter, also die Auswirkungen der Zeit auf das Immunsystem (den Körper) ist sehr wohl beeinflussbar, sind diese doch mitabhängig vom gewählten Lebensstil. Positive Auswirkungen eines gesunden Lebensstils auf den Körper brauchen Zeit. Manche Veränderungen sind bereits nach einem Tag nachweisbar, andere brauchen Wochen oder Monate. Geben Sie ihrem Immunsystem eine Chance. Geben Sie ihrem Körper Zeit. Veränderungen lohnen sich. Beginnen Sie jetzt. Wählen Sie einen gesunden Lebensstil –stärken Sie ihr Immunsystem – schützen Sie sich so (nicht nur) vor dem Coronavirus.
Autor:
Dr. med. Ruedi Brodbeck, Alchenflüh, CH, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, Spez. Psychosomatische und Psychosoziale Medizin SAPPM
Schweizerische Liga Leben und Gesundheit
Verwendete Literatur:
Physical Activity and Diet Shape the Immune System during Aging, Nutrients 2020, 12, 622; doi:10.3390/nu 12030622
Das Immunsystem
Die Hauptaufgabe des Immunsystems besteht darin, zu erkennen was zum Körper gehört und was nicht. Das Eigene muss geschützt, das (gefährliche) Fremde bekämpft werden. Es ist hochkomplex aufgebaut und wirkt durch das Zusammenspiel einer Vielzahl verschiedener Zellen, Botenstoffe, Antikörper und Abwehrstoffe.
Als typisches Immunorgan gilt das lymphatische System mit den verschiedenen Lymphknoten, Mandeln, Blinddarm, Milz, Thymus und Knochenmark. Mit dem Blut können die verschiedenen Abwehrzellen überall im Körper hinwandern. Für eine gute Funktion ist das Immunsystem auf ein enges Zusammenspiel mit Nerven- und Hormonsystem, dem Mikrobion des Darmes und der Psyche angewiesen.
Man kann grundsätzlich 2 Teile unterscheiden, einen unspezifischen angeborenen Teil und spezifischen, erworbenen Teil. Wenn wir eine Krankheit schon einmal durchgemacht haben, dann verfügen wir über spezifische, genau gegen diese Krankheit gerichtete Antikörper. Das Immunsystem kann also den Angreifer rasch erkennen, gezielt angreifen und in der Regel erfolgreich bekämpfen.
Bei der Krankheit mit dem neuen Coronavirus bestehen noch keine solch spezifischen Antikörper, es ist noch niemand immun, also dagegen geschützt. Ein gut funktionierendes unspezifisches Immunsystem kann aber auch ein fremdes Virus, mit dem es bislang noch nicht Kontakt hatte, erkennen und vernichten, vor allem wenn das Virus nicht in sehr hoher Konzentration auftritt.
Ein gut funktionierendes Immunsystem schützt somit den Körper nicht nur vor einer Ansteckung, sondern hilft auch im Falle einer erfolgten Infektion diese zu überwinden. Es trägt also zu einem milderen Krankheitsverlauf bei.